Altersfeststellung kann nur ein Teil der Lösung sein

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Altersgrenzen für den Schutz junger Menschen vor Risiken sind bereits seit Langem Bestandteil unserer Gesellschaft und werden weitgehend akzeptiert, beispielsweise beim Zugang zu Alkohol oder Tabak. Auch in der digitalen Welt gibt es Zugangsbeschränkungen aufgrund des Alters, etwa zu pornografischen Angeboten. Interessenten dieser Angebote müssen ihr Alter nachweisen. Während Volljährige Zugang zu den Inhalten erhalten, soll dieser Minderjährigen nicht gewährt werden. Seit geraumer Zeit wird darüber diskutiert entsprechende Altersfeststellungen online auch dafür einzusetzen junge Menschen, deutlich unterhalb der Volljährigkeit, vor bestimmten Risiken zu schützen. Wie dies gelingen kann und ob sie die Lösung für Kinder- und Jugendschutz im Internet darstellen, wurde am 9. September beim Internet Governance Forum Deutschland (IFG-D) b in der Podiumsdiskussion: „Sag mir erst, wie alt du bist… Altersfeststellung online zwischen Schutz- und Teilhabebedürfnissen aller“ beraten. An der von Torsten Krause moderierten Runde nahmen Elina Eikstädt (Chaos Computer Club), Daniel Fett (SPRIND), Anna Lührmann (MdB Bündnis 90/Die Grünen), Eva Maria Sommer (Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und Koljia Weber (FlokiNET) und teil. 
 
Neben der Frage wie zielführend eine solche Altersfeststellung für den Schutz junger Menschen online sein kann, waren vor allem die technischen Herausforderungen, welche mit der Einführung solcher Nachweise einherkommen, zentraler Bestandteil der Debatte. Die Europäische Kommission und Bundesregierung setzen u.a. auf die EUDI-Wallet als Instrument für einen Altersnachweis. Die EUDI-Wallet sollab Januar 2027 in allen EU-Staaten zur Verfügung stehen. In Deutschland wird sie D-YOU Walletheißen.  
Dabei handelt es sich um eine digitale Brieftasche, in welcher persönliche Dokumente und Nachweise, wie etwa der Personalausweis oder Führerschein hinterlegt werden können. Anhand der vorhandenen offiziellen Informationen kann mittels der Wallet auch das Alter einer Person nachgewiesen werden. Im Gespräch wies Daniel Fett gleichwohl daraufhin, dass eine sichere und datensparsame Altersfeststellung nicht Teil der Ausgangsüberlegungen für die EUDI-Wallet war, und daher noch einige Anstrengungen unternommen werden müssen, um diesen Kriterien gerecht zu werden. Ob eine Privatsphäre wahrende Altersfeststellung online überhaupt möglich sein wird, stellten Elina Eickstädt und Kolja Weber infrage. Sie befürchten, dass der notwendige Grad an Datenschutz nicht zu erreichen sei und sorgen sich darum, dass Menschen ohne entsprechende Möglichkeiten ihr Alter nachzuweisen vom Internet und digitalen Angeboten ausgeschlossen werden könnten. Darüber hinaus verwiesen sie auf die Option entsprechende Schutzvorkehrungen zu umgehen. Diese wären somit wirkungslos. Wichtig sei es daher digitale Angebote, wie soziale Medien grundsätzlich sicher und nutzerfreundlich zu gestalten, sodass junge Menschen nicht zur Vielnutzung oder anderen Risiken verleitet würden. Auch Medienbildung für Kinder, sowie Eltern sei zentral für die sichere Teilhabe im digitalen Umfeld. 
 
Aktuell würden Altersfeststellungen oft noch als „Eierlegende Wollmilchsau“ betrachtet, wenn es um das Thema Kinder und Jugendschutz im Netz gehe. Dies wollten Anna Lührmann und Eva-Maria Sommer so nicht gelten lassen. Klar sei zwar, dass Kinder- und Jugendschutz nicht allein mittels technischer Lösungen, sondern umfassend angegangen werden muss. So sollen Kinder und Jugendliche befähigt werden, sich sicher im Netz zu bewegen, unteranderem durch Medienbildung in Schulen. Auch müssten sich Eltern ihrer Verantwortung bewusst sein und mit Fragen, wie nach dem ersten eigenen Smartphone, für ihre Kinder befassen. Ebenso wurde aber betont, dass Altersfeststellungen ermöglichen können spezifische Schutzvorkehrungen für bestimmte Altersgruppen zu aktivieren bzw. zu definierende riskante Features abzustellen. 

Grundsätzliche Einigkeit bestand auf dem Panel, dass Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden müssen. Dafür braucht es einen klaren regulatorischen Rahmen, der Anbieter zu systematischen Veränderungen bei Social Media-Plattformen anstößt. Dass darüber hinaus eine Vielzahl an Maßnahmen notwendig ist, um eine sichere Teilhabe junger Menschen am digitalen Umfeld zu ermöglichen, zeigen auch die umfassenden Handlungsempfehlungen der Expertenkommission des Bundesfamilienministeriums. Auch demnach kann Altersfeststellung ein Aspekt für einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt sein. 


Torsten Krause & Ava Ibing