Im spanischen Sevilla kam die Multistakeholder-Gemeinschaft beim ICANN Policy Forum vom 8. bis zum 11. Juni zusammen, um weiterhin aktuelle Fragen und Entwicklungen zur Gestaltung und Sicherung des Internets zu beraten. Das Projekt „Kinderschutz und Kinderrechte in der digitalen Welt“ der Stiftung Digitale Chancen engagiert sich seit Jahren in der ICANN-Community, um dazu beizutragen, dass insbesondere Aspekte des Kinderschutzes Berücksichtigung im Domännamensystem (DNS) finden. Dabei stehen die Arbeit für die Implementierung einer Menschenrechtsfolgenabschätzung sowie die weiteren Entwicklungen im Kontext der Plattform zur Abfrage von Registrierungsdaten (RDRS) ebenso im Fokus, wie die angelaufene neue Runde zur Vergabe von generischen Top-Level-Domains (gTLD).
Top Level Domains stellen die letzte Endung einer Internetadresse dar (beispielsweise .de, .org oder .com). Aufgrund derer Reichweite und Präsenz verbindet sich mit einer TLD einerseits eine hohe Sichtbarkeit und andererseits für den jeweiligen Registrar ein wirtschaftliches Betätigungsfeld. Aus unserer Perspektive verbindet sich mit einer TLD aber auch eine hohe Verantwortung. Daher werden wir uns in den kommenden Monaten vertieft mit den Anträgen und möglichen Vergaben neuer gTLDs befassen.
Bereits am 30. April hat ICANN die Bewerbungsrunde für neue gTLDs geöffnet, welche zum 12. August schließen wird. Die zuständigen Akteure gehen von rund 2.000 Anträgen aus. Nach einem grundsätzlichen Evaluationsverfahren wird ICANN im Oktober 2026 eine Liste aller zulässig beantragten gTLDs veröffentlichen. Dies werden wir zum Anlass nehmen, alle etwaig neuen gTLDs aus kinderrechtlicher Perspektive zu betrachten. Im Fokus werden dabei insbesondere solche Top Level Domains stehen, welche Bezüge zur kindlichen Lebenswelt, deren Interessen oder Bedürfnissen herstellen. Ziel unserer Befassung wird es sein, frühzeitig auf die potentiellen Registrare zuzugehen, Bewusstsein für deren Verantwortung in der Verwaltung einer solchen TLD zu schaffen und gegebenenfalls für mögliche Selbstverpflichtungserklärungen zu werben. Sollten sich aus dieser Befassung wesentliche Bedenken und Vorbehalte zur Vergabe einer gTLD an einen potentiellen Registrar ergeben, werden wir die bestehenden Beteiligungsmechanismen während des Vergabeverfahrens nutzen, um ICANN darauf aufmerksam zu machen.
Um diesen Prozess gemeinsam zu gestalten, werden wir auf Organisationen im Bereich des Kinderschutzes und der Kinderrechte zugehen und diese zur Bearbeitung des aufgezeigten Verfahrens einladen. Falls Interesse daran besteht, sich in diesen Prozess einzubringen, kann dies mittels tkrause[at]digitale-chancen[dot]de angezeigt werden.