Vergabe neuer gTLDs auf dem Weg

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Eines der bedeutenden Themen bei der Jahreshauptversammlung von ICANN war die derzeit laufende Runde zurVergabe neuer generischer Top-Level-Domänen (gTLDs). Vom 17. bis zum 22. Oktober kam die Multistakehoder-Gemeinschaft in Bali (Indonesien) zusammen, um sich dazu auszutauschen. Daneben standen aber auch andauernde Prozesse auf der Tagesordnung, wie die Vorbeugung und Bekämpfung des Missbrauchs des Domänen-Namen-Systems (DNS) oder die Berücksichtigung von Menschenrechtsfolgeabschätzungen (HRIA). Neben der Vergabe neuer gTLDs ist für das Projekt „Kinderschutz und Kinderrechte in der digitalen Welt“ insbesondere die Fortführung der Plattform zur Abfrage von Registrierungsdaten (RDRS) sowie die Behandlung von dringlichen Anfragen (UR) von besonderer Bedeutung, um die Berücksichtigung der Rechte von Kindern im DNS voranzubringen.

Für die Vergabe neuer generischer Top-Level-Domänen konnte sich vom 30. April bis zum 12. August 2026 beworben werden. Zwischenzeitlich befinden sich 1.616 Anträge im Verfahren. Unter den beantragten gTDLs befinden sich einige Domänen, welche aus kinderrechtlicher Perspektive interessant sind, da sie Bezüge zur kindlichen Lebenswelt, deren Interessen oder Bedürfnissen herstellen. Seitens des Projektes werden wir uns mit diesen Anträgen näher befassen und möglicherweise auf die potentiellen Registrare zugehen. Unser Ziel wäre es dabei Bewusstsein für deren Verantwortung in der Verwaltung einer solchen gTLD zu schaffen und gegebenenfalls für mögliche Selbstverpflichtungserklärungen zu werben. Sollte sich dies nicht als zielführend herausstellen und sich aus der Befassung weitere Bedenken und Vorbehalte zur Vergabe einer gTLD an einen potentiellen Registrar ergeben, werden wir erwägen die bestehenden Beteiligungsmechanismen während des Vergabeverfahrens zu nutzen, um ICANN auf unsere Sichtweise aufmerksam zu machen. Dafür arbeiten wir gemeinsam mit weiteren Organisationen zusammen und tauschen uns hinsichtlich der Einschätzung und Bewertung der Anträge auf gTLDs aus.

Bezüglich der Bearbeitung von dringlichen Anfragen an die Plattform zur Abfrage von Registrierungsdaten (RDRS) schreitet die Entwicklung eines Verfahrens voran, womit sich Behörden der Strafverfolgung gegenüber ICANN authentifizieren zu können. Dieser Mechanismus soll sicherstellen, dass es nicht zu einer vermeidbaren Verzögerung der Bearbeitung von Anfragen kommt, da diese zunächst dahingehend geprüft werden müssen, ob die anfragende Stelle offiziellen Charakter hat und berechtigt ist die entsprechende Auskunft zu erhalten. Bei der Gestaltung des Authentifizierungsverfahrens stehen technischen und operative Aspekte im Vordergrund, welche die Sicherheit des Prozesses sowie die Privatsphäre und Datenminimierung der Beteiligten berücksichtigen.

Mit dem onlinebasierten RDRS hat ICANN im November 2023 ein Instrument zur Verfügung gestellt, mit dem Behörden wie Individuen, die ein berechtigtes Interesse nachweisen können, über ein standardisiertes Verfahren Auskunft zu unveröffentlichten gTLD-Registrierungsdaten erhalten können. Dabei fungiert der Service als Vermittler zwischen den Auskunftsuchenden und den verschiedenen Registern. Dies hat den Vorteil, dass eine solche Anfrage nur an eine zentrale Stelle zu richten ist. Für Strafverfolgungsbehörden ist dies bspw. von Bedeutung, wenn sie zu ermitteln haben, in wessen Besitz eine Domäne ist, über die Abbildungen sexualisierter Gewalt an Kinder online zur Verfügung gestellt werden. Zuvor notwendige Recherchen, welches Register für die jeweilige Domäne zuständig ist, entfallen damit.


Torsten Krause, Stiftung Digitale Chancen