In den vergangenen Monaten hat die Debatte über notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit, der Medienkompetenz sowie der Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt sowohl international als auch in Deutschland deutlich an Dynamik gewonnen. Unser Überblick über relevante Positionspapiere, Stellungnahmen und Impulspapiere unterschiedlicher Akteur*innen fasst die vertretenen Positionen kurz zusammen.
Alle Akteur*innen sind sich dabei weitgehend einig , dass Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser geschützt werden müssen. Internationale Organisationen wie UNICEF, Save the Children, 5Rights Foundation und ECPAT International warnen vor den Auswirkungen und Risiken sozialer Medien für die psychische Gesundheit, Sicherheit und Rechte junger Menschen. Gleichzeitig lehnen diese Akteur*innen pauschale Altersgrenzen für den Zugang zu sozialen Medien als alleinige Lösung ab und fordern stattdessen mit teils unterschiedlichen Nuancen Kombinationen aus einem Mehr an Plattformverantwortung, Stärkung der Kinderrechte und aktiver Einbeziehung junger Menschen in die Gestaltung digitaler Umgebungen.
Auch auf nationaler Ebene spiegelt sich der Diskurs in einer breiten (zivil)gesellschaftlichen Debatte wider. Wissenschaftliche Einrichtungen, Wohlfahrtsverbände, Jugend- und Schüler*innenvertretungen sowie Berufsverbände betonen zwar den Schutzbedarf, sprechen sich jedoch ebenso vielfach gegen pauschale Verbote aus. Stattdessen fordern sie differenzierte, rechtebasierte Ansätze, welche digitale Teilhabe sichern, Medienkompetenz fördern und bestehende Gesetze konsequenter durchsetzen.
Im politischen Raum wird ebenfalls darüber nachgedacht, wie junge Menschen im digitalen Umfeld besser geschützt werden können. Auch diese Akteur*innen setzen dabei auf die Verbindung verschiedener Maßnahmen, betonen mehrheitlich jedoch die Möglichkeit von grundsätzlichen Ausschlüssen bestimmter Altersgruppen junger Menschen als zentralen Aspekt für den Schutz von Kindern und Jugendlichen. So streben die Bundespartei der CDU, Fachpolitiker*innen der SPD-Bundestagsfraktion sowie die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen gesetzliche Altersgrenzen zwischen 14 und 16 Jahren für den Zugang junger Menschen zu Angeboten sozialer Medien an. Eine Bundesarbeitsgemeinschaft der Linken lehnt solche ab. Diese verweist ebenso wie Jurist*innen und der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags auf erhebliche verfassungs- sowie europarechtliche Hürden. Die Umsetzbarkeit eines solchen Verbots wird infrage gestellt.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass ein umfassender Konsens sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene bezüglich eines stärkeren Schutzes besteht. Wie dies jedoch realisiert, werden kann, wird unterschiedlich betrachtet.
International:
- 5Rights Foundation (Februar 2026): Access restrictions to protect children and their rights in the digital environment
- ECPAT International (Dezember 2025): ECPAT International Statement on Social Media Bans for Children - ECPAT
- EuroChild (Februar 2026): A call to rethink the buisness model of social media to address risks for children
- UNICEF Innocenti (März 2026): From Children’s Voices to Action: A youth-led roadmap to realize the best interests of children in the digital environment
- Save the Children (Dezember 2025): Policy Statement on Social Media Bans
National:
- Arbeiterwohlfahrt (AWO) (Oktober 2025): Abstimmung im Umlaufverfahren. Social Media Verbot bis 16 Jahre?
- BDP – Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (Mai 2026): Resolution des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) verabschiedet von der Delegiertenkonferenz am 26. April 2026 Kinder und Jugendliche schützen - Social-Media-Nutzung wirksam regulieren
- bke – Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (April 2026): Digitale Selbstbestimmung und Schutz
- BSK – Bundesschülerkonferenz (Februar 2026): Verbote sind keine Lösungen. Kompetenz statt Problemverschiebung
- Bündnis 90/Die Grünen – Bundestagsfraktion (April 2026): Fraktionsbeschluss: Bessere Plattformen für alle - junge Menschen schützen und stärken
- CDU (Februar 2026): Antrag R06: Für ein verantwortungsvolles digitales Erwachsenwerden
- Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste (Februar 2026): Zur Beschränkung und zum Verbot von Social-Media-Plattformen
- Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste (Juni 2026): Mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche.
- Deutscher Ethikrat (Juni 2026): Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt
- DHKW (Juni 2026): Soziale Medien für Kinder und Jugendliche: Schutz gewährleisten – Kompetenzen stärken – Teilhabe sichern
- Diakonie Deutschland (Mai 2026): Position der Diakonie Deutschland zur Debatte um ein Social-Media-Verbot für junge Menschen unter 16 Jahren
- Die Linke – BAG Kindheit und Jugend (März 2026): Social-Media-Positionspapier. Kein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche Rechte stärken statt Teilhabe beschneiden
- Education Y (März 2026): Whitepaper: Soziale Medien und Smartphones – Zwischen Kinderschutz, Teilhabe und Selbstbestimmung.
- GMK (Feburar 2026): GMK-Stellungnahme: kein Social Media Verbot, aber Regulierung
- Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) (März 2026): Explorative Studie zur Social-Media-Nutzung von jungen Menschen: DE
- Landesschülerausschuss Berlin (2026): Die Auswirkungen von sozialen Medien auf Schülerinnen
- Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (Juni 2025): Die Hürden eines Social-Media-Verbots in Deutschland: Eine kurze juristische Analyse
- Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften (September 2025): Stellungnahme zur Regulierung sozialer Medien im Jugendkontext.
- National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (März 2026): Kinderrechte als Maßstab der Social-Media-Debatte
- SPD (2026): Impulspapier: Sichere soziale Medien für Kinder und Jugendliche. Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum stärken.
- Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) (März 2026): Minderjährige schützen, digitale Teilhabe sichern